Sind energetische Maßnahmen unwirtschaftlich?

Diese Frage wurde in den letzten Wochen in den Medien heiß diskutiert. Eine Studie des Prognos-Instituts im Auftrag der KfW sorgte für Aufregung. Laut Prognos würden die Investitionskosten für Energiesparmaßnahmen die erzielbaren Einsparungen deutlich übersteigen. Fest steht jedoch nur, dass einige Maßnahmen sich deutlich schneller rentieren als andere.

Besonders in die Kritik geraten ist die Wärmedämmung.

Wenn man die Studie genauer betrachtet, fällt jedoch auf das hier mit einer Teuerungsrate des Brennstoffs von 1,1 % gerechnet wurde. In den letzten 30 Jahren sind die Energiepreis im Durchschnitt um fast 10 % gestiegen, pro Jahr versteht sich. Teilweise wurden bei Heizöl und Strom noch deutlich höhere Preissteigerungen erzielt.
Grundsätzlich sollte vor einer geplanten Sanierung, auch schon bei kleinen Maßnahmen die die Hülle des Gebäudes oder die Wärmeerzeugung betreffen, eine Energieberatung durchgeführt werden.

Wohnhäuser sind sehr individuell. Es gibt große Unterschiede bei den Bauepochen, bei den verwendeten Materialien, den einzelnen Baustilen, dem Flächenanteil von zB. Fenstern oder das Verhältnis von Volumen zu Außenfläche.

Auch wenn ich seit 2007 als Energieberater tätig bin und schon über 500 Häuser begangen habe, gibt es auch für mich hin und wieder kleine bauliche Überraschungen oder Gegebenheiten.

In Werbeanzeigen präsentieren Fensterhersteller, die Heizungsbranche oder die Dachdecker und Maler mögliche Ersparnisse die man mit einer Dämmung zB. erreichen kann. Dabei geht ein jeder Branchenspeziallist von einer maximalen Ersparnis aus. Sicher gibt es Häuser die durch eine Fassadendämmung 40 % Heizenergieverbrauch einsparen können. Genauso gibt es aber auch Gebäude bei denen noch nicht einmal Ersparnisse von 10 % erreicht werden. Ähnlich sieht es bei einer Dachdämmung, bei Fenstern oder einer Heizung aus. Klar, wenn ein 35 Jahre alter Heizkessel gegen eine Brennwertheizung und Solar ausgetauscht wird, können eventuell auch 40 % eingespart werden. Dämme ich dabei aber die Fassaden oder das Dach, würde sich die Ersparnis durch einen Heizkesseltausch wieder verändern. Es kann aber sein, das mir der Austausch der Heizung „nur“ 20 % einbringt man aber vielleicht 25.000 € ausgegeben hat.
Das wäre ein klarer Fall, wo der Energieberater vorab nicht hinzugezogen wurde.
Ich habe schon öfter erlebt, dass Dämmaßnahmen durchgeführt wurden, auch die Fenster ausgetauscht wurden, jedoch nicht die mögliche Energieersparnis erreicht wurde. Die Eigentümer haben natürlich einen Effekt bemerkt, wussten jedoch nicht wie viel Einsparpotential wirklich möglich ist. Ursache war dann häufig eine viel zu hoch eingestellte Heizungsanlage. Meist wurde auch kein hydraulischer Abgleich durchgeführt. Wird durch eine Gebäudedämmung der Wärmeverlust des Hauses reduziert, so können Heiztemperatur bzw. Heizkennlinie deutlich niedriger eingestellt werden. Der Wartungsmonteur fühlt sich nicht verantwortlich, der Hauseigentümer hat eventuell das Einstellen der Regelung nie richtig verstanden und so werden teilweise über 10 % mehr verbraucht.

Auch diese Punkte müssen in Absprache Hausbesitzer, Heizungsmonteur und Energieberater abgesprochen werden.

Mit einer neutralen, unabhängigen Energieberatung, die ja auch von der Bafa (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) bezuschusst wird, kann ein Hauseigentümer feststellen welche energetische Maßnahme sich für das Haus wirklich lohnt. Durch eine Energieberatung kann der genaue Bedarf des Gebäudes ermittelt werden. Es wird ein schrittweises Konzept erstellt, das sich auch gerne über die nächsten 15 Jahre ziehen darf. Wichtig ist dabei aber die Reihenfolge nach technischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten.