Rein elektrisch unterwegs

Seit dem 18. März besuche ich alle meine Kunden mit einem rein elektrisch betriebenen eGolf.
Über Elektrofahrzeuge gibt es viele Vorbehalte. Die häufigste Frage, die ich beantworte, ist die der Reichweite. Nach einigen Tagen der Eingewöhnung verstehen wir uns (das Elektroauto und ich) immer besser. Vorausschauendes Fahren ist allgemein ja schon treibstoffsparend. Bei einem Elektrofahrzeug wird das clevere Fahren durch die Rekuperation zu einem wahren Vergnügen. Die Verbrauchsangaben der Hersteller sind ja im Allgemeinen sehr optimistisch und nicht erreichbar. Viele Fahrten, die ich durchführe liegen inzwischen genau auf der Werksangabe oder sogar darunter.

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Nun zur Reichweite. Seien Sie doch mal ehrlich! Wie viele Kilometer legen Sie täglich zurück? Wie oft fahren Sie Strecken, die außerhalb der Reichweite eines Elektrofahrzeugs liegen könnte? Ich komme ohne Probleme und Ängste, ich könnte plötzlich stehen bleiben, 160 km weit. Alle Fahrten sind so ausgelegt, dass ich wieder früh genug an der hauseigenen Landestation bin. Und für längere Fahrten? Wenn man in einem Haushalt wohnt, in dem nur ein Fahrzeug vorhanden ist (was ja inzwischen leider die Ausnahme ist), leiht man sich kostenlos einen Verbrenner des Autoherstellers. In den ersten 3 Jahren kann ich mir einen Leihwagen nehmen und das 30 Tage im Jahr. Gebraucht habe ich das bis heute nicht.

Woher kommt der Strom den ich tanke, bzw. lade? Vorbehalte gibt es von Einigen die sagen, dass Ladestrom der aus dem herkömmlichen Energiemix stammt im Endeffekt die gleichen Emissionen verursacht wie ein konventionelles Fahrzeug. Ich beziehe meinen Strom von den Elektrizitätswerken aus Schönau. Das ist keine Stromriese, sondern eine Art kleiner Verein, der bürgereigene "Rebellenkraftwerke" fördert und von denen seinen Strom bezieht. Darunter sind viele Sonnenstromanlagen, kleine Wasserkraftwerke, aber auch kleine BHKWs die zwar fossile Brennstoffe benötigen, jedoch die entstehende Wärme sinnvoll im Haus nutzen. Somit kommt eine Oköbilanz zusammen, die wirklich echt und nachhaltig ist.

Natürlich ist das Elektrofahrzeug teurer gewesen. Neben dem ökologischen Effekt, der bei mir im Vordergrund stand, sollte man aber bei Preisvergleichen genauer hinschauen. Leider werden Elektrofahrzeuge gerne mit Verbrennern verglichen, die nur die Basisausstattung mit dem kleinsten Motor zu Grunde legen. Hätte ich einen vergleichbaren Diesel mit der identischen Ausstattung erworben, bestünde der Unterschied nicht mehr als 5000 €. Wie viele Neuwagenkäufer stecken über 20000 € in Extras, wie viele von Diesen sind wirklich notwendig oder rentabel? Hätte ich mir ein größeres Fahrzeug angeschafft, hätte ich sogar mehr bezahlt als für meinen Stromer und das mit einem garantiert klimaschädlichen Verbrennungsmotor.

In den nächsten Jahren, man kann fast schon von Monaten ausgehen, werden weitere Autohersteller Elektrofahrzeuge auf den Markt bringen (Bitte nicht mit einem Hybriden verwechsel. Eine Fahrzeug braucht weder Auspuff noch Treibstofftank). Die Ankündigungen sagen bereits jetzt schon 300 km Reichweite voraus. Und die Preise? In wenigen Jahren könnte ein Elektrofahrzeug bereits das Gleiche kosten wie ein Verbrenner. Eine Fahrt von Frankfurt nach München, wäre dann mit einem Ladestopp (30 min) verbunden. Und fährt diese Strecke wirklich denn ohne Pause?

Die Zukunft fährt elektrisch. Für mich ist heute schon Zukunft. Und für Sie?